Wie alles angefangen hat

Ein geplatzter Camino, ein spontanes Ticket und 50 Kilometer zu Fuß durch Thüringen. Eigentlich wollte ich das nie wieder tun – und begann schon am nächsten Tag mit der Planung für das Nächste. Wie alles anfing und warum Langstrecke mehr mit Kopf als mit Beinen zu tun hat.

Wie alles angefangen hat

Einfach raus

Eigentlich wollte ich weg. Richtig weg.
Eine längere Auszeit nehmen, den Camino laufen, den Kopf frei bekommen, Gedanken sortieren – Schritt für Schritt. Die Wege waren analysiert, der Camino del Norte sollte es werden. Bücher waren besorgt, Pläne gemacht. Und dann kam Corona. Keine Reisen, keine großen Gruppen, keine Planungssicherheit. Stillstand.
Das Projekt landete erst einmal auf Eis.

Im Frühjahr 2022 entspannte sich die Lage langsam nach dem zweiten Corona-Winter. Doch der große Plan ließ sich nicht einfach wieder hervorholen. Mit Vollzeitstelle und parallelem Studium brauchte ich etwas, das kurzfristig machbar war – zeitlich, mental und organisatorisch.

Erster Schritt - ein kleiner Marsch

Mit dem Arbeitgeber in Portugal Unterwegs, musste ich mich mal ausklinken und lief einfach los. Ich lief und lief und lief und plötzlich waren es 25km

Tour: https://www.komoot.com/de-de/tour/774403032?share_token=a1iPsQlxks7T0Tt88aCLZI2iGy6Z5Z7TsQI6wFiDZFol8qC9ay&ref=wtd

Es war ein tolles Gefühl und der Gedanke machte sich breit: Hey, vielleicht ist das ja eine Option!

Und genau da stolperte ich über ein neues Konzept: punktuelle Langstreckenwanderungen.
Plötzlich tauchten Anbieter wie MegaMarsch und Mammutmarsch überall auf. 30, 50, 100 Kilometer. Zeitlimits. Verpflegungspunkte. Zieleinläufe.
Und irgendetwas klickte.
Ich war sofort hooked.

Kopf durch die Wand – Ticket gekauft

Sehr spontan, sehr unvernünftig und mit maximalem Kopf-durch-die-Wand-Mindset buchte ich am 01.06.2022 ein Ticket für den MegaMarsch Erfurt:
50 Kilometer in 12 Stunden.

Eine riesige Herausforderung. So weit war ich noch nie gelaufen – nicht ansatzweise. Und ganz sicher nicht in diesem Tempo.

Zuhause erntete ich Unmut und Unverständnis. Zu Recht.
So ein Vorhaben will geplant und vorbereitet sein. Erst recht, wenn man eigentlich vollkommen unsportlich ist.

Die Bedingung: Wenigstens ein Probelauf.

Probelauf #1 - Ernüchterung auf ganzer Linie

12.06.2022 Also los.
42 Kilometer von Köpenick nach Königs Wusterhausen.

Tour: https://www.komoot.com/de-de/tour/804422157?share_token=azGfy2SrIyqvZL5hXI6AGrv92gxBuodR5ICLCAQ7Amwws21Czm&ref=wtd

Und es war… brutal.

Zu viel unnötiges Gepäck. Sonne. Hitze. Mücken. Blasen. Schmerzen.
Als ich am Ziel ankam, war mir klar: Das wird ein Brett.

Gleichzeitig wusste ich aber auch:
Das hier möchte gut geplant und ausgestattet sein.

Dieser Probelauf war eine ziemliche Ernüchterung – und genau deshalb auch ein Erfolg.

Probelauf #2 - Lernen durch Gehen

Eine Woche später zog ich erneut los.
37 Kilometer um die Müggelberge.

Tour: https://www.komoot.com/de-de/tour/836254995?share_token=akTUzeyLb8aZNG3b7ElXjVbSRgORhwsMydjINuznKoytJnoiaR&ref=wtd

Und plötzlich lief es deutlich besser.
Unnötiges Equipment blieb zu Hause, dafür kam Nützliches dazu.
Ich wusste mehr. Worauf es ankommt. Auf Pausen, Tempo, Füße.

Zum ersten Mal fühlte es sich so an, als hätte ich verstanden, worum es geht.

Es geht los - Megamarsch Erfurt

Dann war er da: der 09.07.2022, DER Tag.
Ich startete aufgeregt, aber zuversichtlich.
50 Kilometer um Erfurt.

Tour: https://www.komoot.com/de-de/tour/837087498?share_token=aHDNBwp16ibZvXZWCidDGcWPNDyvRLswf4NEVSow4uw3qtPvgw&ref=wtd

Wie eine Rakete lief ich los, zog an vielen vorbei, nichts konnte mich halten.
Bis ich feststellen musste:

  1. Meine Ressourcen sind begrenzt, ich muss sie einteilen
  2. Thüringen hat deutlich mehr Berge als Berlin
  3. Die Kombination aus 1 und 2 ist… schwierig

Nach und nach überholten mich alle wieder.
Ich bin mir sicher, sie dachten:
„Jaja, typisch Neuling... Kraft einteilen!“
Oder, wie man am Kilimandscharo sagen würde: Pole Pole.

Was folgte, war eine absolute Qual.
Meine Füße taten weh. Die Knie auch. Ich war massiv dehydriert.
Mit meinem Gehstock schleppte ich mich Richtung Ziel.
Je weniger Kilometer übrig waren, desto länger wurden sie.

Gedanken, die sich festsetzten:

  • Warum zahle ich dafür mich zu quälen?
  • Wieso machen Menschen sowas freiwillig?
  • Niemals wieder.

Ziel. Und dann?

Und dann war ich da.
Im Ziel.

Ich hätte heulen können vor Erleichterung und Glück – wenn ich nicht viel zu fertig dafür gewesen wäre.
50 Kilometer am Stück. 11,5 Stunden.
Einfach gemacht.

Ich hatte unfassbar viel gelernt:

  • über meine Sturheit
  • darüber, wie wichtig Pausen sind – und dass man danach trotzdem weitergehen muss
  • dass es zu spät ist zu trinken, wenn man Durst hat

Ganz sicher war ich mir:

War eine Erfahrung. Gerne NIE wieder.

Spoiler: Doch. Wieder.

Am nächsten Tag saß ich im Zug zurück nach Berlin.
Und begann, nach den nächsten Märschen zu recherchieren.

Danke MegaMarsch fürs Anfixen.
Das Suchtpotenzial ist extrem hoch.

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