Kilimadscharo - Sprechen sie bergisch?
Wichtige Begriffe zum Thema Bergsteigen und Kilimandscharo zu kennen ist essenziell, um die Herausforderungen und Anforderungen zu verstehen. Ein Glossar.
Eine ganz neue Sprachwelt
In den Tagen nach der ersten Idee den Kilimandscharo zu besteigen, habe ich fest gestellt: Ich verstehe die Sprache nicht.
Nicht Suaheli – sondern die Sprache des Berges und dessen Anhänger.
Je mehr ich gelesen habe, desto öfter hatte ich das Gefühl, dass alle anderen etwas wissen, das mir fehlt.
Begriffe, Abkürzungen, Sätze, die überall selbstverständlich benutzt werden – aber kaum jemand erklärt sie wirklich.
- Akklimatisation
- Summit Night
- Push Day
- Pole Pole
- Lemosho, Machame, Northern Circuit
- AMS, HAPE, HACE
Ich musste lernen, dass Fitness nicht gleich Tauglichkeit ist.
Dass Höhenmeter gefährlicher sein können als Kilometer.
Dass Zeit auf dem Berg wichtiger ist als Tempo.
So lernte ich Stück für Stück eine neue Sprache und neue Regeln und damit stand ich erst ganz am Anfang, dieses System zu verstehen.
Die Sprache des Kilimanjaro – Begriffe & Faustregeln
Medizin & Höhe
Akklimatisation
Anpassung des Körpers an die Höhe durch langsames Aufsteigen und geplante Ruhetage.
Der wichtigste Faktor für einen sicheren Gipfelversuch.
AMS (Acute Mountain Sickness)
Akute Höhenkrankheit. Typisch sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel. Häufig – aber ernst zu nehmen.
HAPE
High Altitude Pulmonary Edema (Höhenlungenödem). Flüssigkeit in der Lunge. Lebensgefährlich, sofortiger Abstieg nötig.
HACE
High Altitude Cerebral Edema (Höhenhirnödem). Bewusstseinsstörungen, Koordinationsprobleme. Medizinischer Notfall.
Pulse Oximeter
Gerät zur Messung der Sauerstoffsättigung im Blut. Wird bei täglichen medizinischen Checks verwendet.
Routen, Tage & Schlüsselstellen
Summit Night
Die Gipfelnacht. Start meist gegen Mitternacht, mehrere Stunden Aufstieg in Dunkelheit, Kälte und dünner Luft.
Push Day
Der härteste Tag der Tour: Gipfelversuch und anschließender langer Abstieg in einem Zug.
Base Camp
Letztes Lager vor dem Gipfel (z. B. Barafu oder Kibo Camp).
Uhuru Peak
Höchster Punkt des Kilimanjaro mit 5.895 m – das Ziel.
Barranco Wall
Steile Felsstufe auf mehreren Routen. Technisch einfach, aber exponiert. Psychologisch fordernd, vor allem bei Höhenangst.
Scrambling
Fortbewegung mit Händen und Füßen ohne Seil. Kein Klettern, aber auch kein normaler Wanderweg.
Routen & Auswahlbegriffe
Lemosho Route
Lange, landschaftlich sehr abwechslungsreiche Route mit guter Akklimatisation.
Machame Route
Sehr beliebt, kürzer, steiler, stärker frequentiert, weniger Akklimatisationszeit.
Northern Circuit
Längste Route mit bester Akklimatisation. Weniger Gruppen, höhere Kosten.
Summit Success Rate
Prozentualer Anteil der Teilnehmenden, die den Gipfel erreichen. Stark abhängig von Route und Dauer.
Szenesätze & Faustregeln (die man kennen sollte)
Pole Pole
Suaheli für „langsam, langsam“. Kein Spruch – sondern eine Überlebensregel.
Go high, sleep low
Tagsüber höher steigen, nachts tiefer schlafen. Reizt den Körper, ohne ihn zu überfordern.
Climb high, sleep low
Gleiches Prinzip – oft unterschiedlich formuliert, gleiche Bedeutung.
Slow is fast
Langsames Gehen spart Energie und erhöht am Ende die Erfolgschancen.
Altitude beats fitness
Gute Kondition schützt nicht vor Höhenkrankheit.
Eat even if you’re not hungry
Höhe senkt den Appetit, nicht den Energiebedarf.
Summit is optional, return is mandatory
Der Gipfel ist freiwillig – gesund zurückzukommen nicht.
Listen to your body
Zahlen helfen, Symptome entscheiden.
Summit Fever
Der gefährliche Drang, unbedingt weiterzugehen, obwohl es nicht sinnvoll ist.
Was ich in diesen Tagen verstanden habe
Das hier ist kein Berg, den man mit Willenskraft „bezwingt“.
Der Kilimanjaro funktioniert nach eigenen Regeln.
Man kann sie lernen.
Man kann sie respektieren.
Oder man ignoriert sie – und bezahlt dafür.
In diesen zwei Tagen habe ich nicht den Berg verstanden.
Aber ich habe angefangen, seine Sprache zu lernen.
Und das ist vermutlich der erste echte Schritt nach oben.
Als Nächstes ist es erst mal Wichtig, die Grenzen auszuloten.