Kilimandscharo - der perfekte Zeitpunkt
Der Kilimandscharo ist kein einzelner Berg, sondern ein Stapel aus Klimazonen. Zwischen Sockel, Hochlagern und Gipfel liegen Welten – auch meteorologisch. Wir ordnen die Bedingungen über das Jahr ein.
Der Kilimandscharo ist kein Berg – er ist ein Klimastapel
Wenn man den Kilimandscharo plant, merkt man schnell:
man plant nicht „einfach eine Wanderung“, sondern bewegt sich durch mehrere Klimazonen, die sonst tausende Kilometer auseinanderliegen.
Vom warmen, feuchten Sockel über Regenwald, Heide und alpine Wüste bis hin zu einer hocharktischen Gipfelregion – alles in wenigen Tagen, zu Fuß.
Genau deshalb reicht es nicht, nur nach der „besten Reisezeit“ zu fragen.
Entscheidend ist, wie sich Temperatur, Niederschlag, Wind und Tageslicht im Jahresverlauf verändern – und was das ganz konkret für Ausrüstung, Kleidung und Komfort bedeutet.
Hier spielen essenziell auch die zuvor identifizierten Grenzen mit hinein.
Ich habe viel recherchiert und es gibt sehr stark schwankende Werte und relativ wenig langfristige Statistiken. Die bestehenden habe ich hier aggregiert und visualisiert.
Temperatur: konstant unten, brutal oben


Am Sockel wirkt der Kilimandscharo fast unspektakulär: ganzjährig angenehm warm, überschaubare Schwankungen, nichts, was alarmiert.
Der Gipfel erzählt eine völlig andere Geschichte.
Selbst in den „warmen“ Monaten bewegen sich die Durchschnittswerte tagsüber unter dem Gefrierpunkt, nachts deutlich darunter. In den Wintermonaten Juli und August erreichen Minima, bei denen Ausrüstung nicht mehr optional, sondern überlebensrelevant wird.
Wichtig ist dabei nicht nur der Durchschnitt, sondern die Spannweite:
Die breiten Min–Max-Zonen zeigen, wie schnell sich Bedingungen verschärfen können – besonders in der Gipfelnacht.
Niederschlag: unten Regen, oben Konsequenzen

Zwei Regenzeiten prägen den Jahresverlauf deutlich:
die große Regenzeit von März bis Mai und die kurze im November.
Am Sockel bedeutet das vor allem Nässe und Schlamm.
Am Gipfel hingegen heißt Niederschlag häufig Schnee, Eis, Vereisung und schlechte Sicht – selbst wenn die absoluten Mengen geringer erscheinen.
Die Grafiken der verschiedenen Werte zueinander ins Verhältnis setzen macht sichtbar, warum „wenig Niederschlag“ nicht automatisch „leichte Bedingungen“ bedeutet. Gerade trockene Monate sind oft die kältesten.
Wind: der unterschätzte Faktor

Wind ist der Faktor, den viele unterschätzen – und der am Gipfel am meisten bestraft.
Während er unten meist kaum relevant ist, erreicht er oben regelmäßig Geschwindigkeiten, bei denen Windchill die gefühlte Temperatur massiv verschlechtert.
Die Sommermonate in Ostafrika (Juni bis August) sind besonders windig.
Das erklärt, warum diese Zeit zwar sehr beliebt ist, sich aber gleichzeitig deutlich härter anfühlt als die nackten Temperaturwerte vermuten lassen.
Tageslicht: (wenig) überraschend konstant

Eine Besonderheit des Kilimandscharo:
Durch die Nähe zum Äquator bleibt die Tageslänge über das Jahr fast gleich.
Sonnenauf- und -untergang schwanken nur um wenige Minuten.
Für die Planung bedeutet das: Jahreszeiten beeinflussen nicht das Tageslicht, sondern vor allem Klima und Bedingungen. Die Zeitfenster am Berg werden durch Akklimatisation, Route und Gipfeltag bestimmt – nicht durch den Monat.
Schlafsack & Kleidung: hier wird's konkret

Spätestens bei der Ausrüstung hört jede Theorie auf.
Ein Schlafsack ist entweder ausreichend – oder nicht. Dazwischen gibt es nichts.
Die Grafik zeigt klar:
- In den warmen Monaten reicht ein −10 °C Komfort-Schlafsack
- In den Übergangsmonaten sind −12 bis −15 °C sinnvoll
- In den trockenen, kalten Monaten Juni bis August ist ein −18 bis −20 °C Komfortwert Pflicht
Ähnlich verhält es sich bei der Kleidung.
Nicht die Menge der Teile zählt, sondern das Isolationsniveau. Wer im Juli oder August mit einem „normalen Trekking-Setup“ antritt, friert nicht ein bisschen – sondern dauerhaft.
Fazit: Der richtige Monat ist eine Entscheidung, kein Kompromiss
Der Kilimandscharo ist zu jeder Jahreszeit machbar – aber nicht zu jeder Jahreszeit gleich.
Jeder Monat verschiebt den Schwerpunkt zwischen:
- Kälte
- Nässe
- Wind
- Komfort
- Risiko
Diese Grafiken sind keine Empfehlung für einen perfekten Zeitpunkt.
Sie sind eine Einladung, bewusst zu entscheiden, was man akzeptieren will – und was nicht.
Für mich ist genau das der Kern von Project-K:
Nicht einfach loszugehen, sondern zu verstehen, worauf man sich einlässt.